Buchtipp des Monats
Rezension von Kathrin
16. März 2025
2 Min. Lesezeit

Der Wald

übersetzt aus dem Englischen von Wibke Kuhn, erschienen im Juni 2020 im eisele Verlag auf 400 Seiten. Erhältlich für 12,00 EUR

ISBN: 978-3-96161-080-8/Anzeige

In "Der Wald" stellt Nell Leyshon die lebenslange Beziehung zwischen Mutter und Sohn in den Mittelpunkt ihres Romans. In 3 Teilen erzählt sie die bewegende Geschichte von Pawel und seiner Mutter Zofia, die während des Zweiten Weltkrieges eine prägende Ausnahmesituation gemeinsam überlebten müssen Jahrzehnte später wieder ganz neu zu einander finden.

"Wir haben nur eine Chance, unser Leben zu leben. Eine. Und manchmal leben wir eben am falschen Ort zur falschen Zeit."

Stadt: Zofia und Pawel kommen eigentlich auch guten Verhältnissen, doch im Krieg sind diese nichts mehr wert. Sie leben in Warschau und Zofias Mann Karol ist im Widerstand aktiv. Regelmäßig bringt er verletzte Verbündete, für die es keine Hoffnung mehr gibt, mit nach Hause, damit Zofias Mutter, die Ärztin ist, sie verschwinden lassen kann. Als sich ein englischer Pilot aber trotz aller Widerstände von seinen Verletzungen erholt, bringt er die Familie damit ungewollt in große Gefahr.

Wald: Um zu überleben, fliehen Zofia und Pawel in einen Wald außerhalb Warschaus. In einem kleinen Schuppen sind sie der Einsamkeit ausgesetzt. Die Zeit verschwimmt und ihre Bedürfnisse werden auf das Nötigste reduziert. Die beiden gehen auf ihre eigenen Weise mit den Erlebnissen um und versuchen Zuversicht zu behalten.

"Es gibt nichts. Sie denkt sich, dass die Welt hinter dem Wald immer noch da ist, aber vielleicht stimmt das ja gar nicht. Es kann sein, dass der Krieg immer noch weitergeht, aber könnte auch schon zu Ende sein. Die Stadt könnte immer noch existieren, oder auch nicht."

Kleinstadt: Jahre später, die beiden haben sich mittlerweile ein neues Leben in England aufgebaut, scheint sich eine unüberwindbare Kluft zwischen Mutter und Sohn aufzutauchen. Was Zofia in ihrem Herzen schon immer gewusst hat, bestätigt sich, doch sie kann die Realität nicht akzeptieren. Nach Krieg, Vertreibung und Isolierung stehen Mutter uns Sohn sich in einer modernen Welt gegenüber, mit der Zofia zu sehr hadert.

"Sie will ihn nicht wiedersehen, aber er ist alles was sie hat."

"Der Wald" ist ein Roman über Zusammengehörigkeit, Familie, Herkunft, Verlust und Trauer. Über Traumata, die nie verarbeitet wurden und das Leben mit der Ungewissheit über die eigene Familie. Nell Leyshon hat Mutter und Sohn durch das Schlimmste gehen lassen und zeigt auf, wie unterschiedliche Ausnahmesituationen für Kinder und Erwachsene ausfallen können.

"Er konnte sich von den Geschehnissen ablenken, aber sie war eine Erwachsene. Wie musste es sich für sie anfühlen, das alles zu sehen?"

Ich bin ein großer Fan von Leyshon und spreche auch für "Der Wald" eine große Leseempfehlung aus! Die Geschichte wird unaufgeregt und ruhig erzählt. Die bewussten und poetischen Formulierungen haben mir sehr gefallen. Die Beziehung von Mutter und Sohn verändert sich authentisch über die Jahre und nicht zu letzt zeigt der Roman die Widerstandskraft der Menschen.

"Das ist der Wahnwitz des menschlichen Lebens. Vergangenheit und Gegenwart existieren gleichzeitig."

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