Buchtipp des Monats
Rezension von Kathrin
13. November 2024
2 Min. Lesezeit

Zwei Leben

erschienen im September 2024 im Dumont Buchverlag auf 378 Seiten. Erhältlich für 25,00 EUR

ISBN: 978-3-8321-8205-2/Anzeige

1971, ein Dorf in Süddeutschland, zwei Frauen, zwei Leben, ein gleiches Schicksal aber mit ganz anderen Hintergründen und Voraussetzungen. Reue, falsche Entscheidungen und die Frage nach dem Fortgehen oder Bleiben. Darum geht es in dem neuen Roman von Ewald Arenz.

Die 20jährige Roberta kehrt nach ihrer Schneiderlehre zurück auf den heimischen Hof ihrer Eltern. In der Ausbildung konnte sie nicht ihr Talent und ihre Kreativität ausleben. Die Zeit in der Fabrik und die stumpfen gleichen Arbeitsabläufe haben sie enttäuscht und sie freut sich wieder auf die Arbeit auf dem Hof. Als einziges Kind wird sie den Hof übernehmen, auf dem neben ihren Eltern auch noch ihr Großvater wohnt. Nach ihrer Rückkehr trifft sie auf ihren Freund aus Kindheitstagen, Wilhelm. Die beiden verlieben sich ineinander, aber Wilhelm plant fortzugehen und auf einmal scheint ihre junge hoffnungsvolle Liebe kompliziert und am Ende.

Gertrud, Wilhelms Mutter, die Frau vom Pfarrer ist vor Jahren in das Örtchen gezogen. Sie hatte keine andere Wahl als ihrem Mann zu folgen. Aber auch nach dieser langen Zeit konnte sie hier keine Heimat finden. Das Dorf und die Gemeinschaft sind beengend. Als ihr Bruder sie auf eine achtwöchige Reise durch Europa einlädt greift sie nach diesem vorübergehenden Ausweg und genießt ihre Freiheit ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken.

Ewald Arenz schreibt sehr besonnen, erzählt ruhig und bedacht. Teilweise kam mir die Sprache für die 1970er Jahre fast schon aus der Zeit gefallen vor. Aber es ist eben auch 50 Jahre her und im ländlichen Bereich waren es andere Zeiten. Er verwebt die beiden Frauenschicksale auf eine besondere Art miteinander und findet trotz der tragischen Vorfälle einen Weg, in dem beide Trost und Hoffnung finden können.

Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Arenz gefreut. Zwei Leben ist ein sehr feinfühliger Roman mit einer schönen Sprache. Das Leben auf dem Dorf hat er literarisch und detailliert eingefangen. Er nimmt sich Raum zu beobachten und zu erzählen, was mir jedoch leider über zwei Drittel zu langsam war. Die entscheidenen Wendungen und damit einhergehenden Entwicklungen der Charaktere lassen lange auf sich warten. Arenz verlangt den LeserInnen viel Geduld ab um dafür nach 250 Seiten umso drastischer die Ereignisse aufeinander folgen zu lassen, die für mich aber auch nicht unerwartet kamen. Ich kann verstehen, dass das Buch vielen sehr gefällt, für mich hatte es leider zu viele Längen und hätte knapp 100 Seiten weniger vertragen können. Das letzte Drittel hat mich dafür ausgesöhnt, aber an "Alte Sorten" kommt "Zwei Leben" für mich leider nicht heran. Das war für mich wirklich ein Highlight!

Wer auf der Suche nach einem ruhigen, schönen und gleichzeitig traurigem Herbstbuch ist, der kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Der Roman fängt das Dorfleben authentisch ein und spendet Trost. Nur eben Geduld sollte man mitbringen!

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