erschienen im Februar 2024 im KiWi Verlag auf 352 Seiten. Erhältlich für 24,00 EUR
ISBN: 978-3-462-00353-6/Anzeige
Nach "Frauenliteratur" hat Nicole Seifert ein weiteres großartiges Buch zur weiblichen Literaturgeschichte vorgelegt. In ihrem Buch geht es um die Autorinnen der Gruppe 47. "Gruppe 47" nannten sich die TeilnehmerInnen der deutschsprachigen Schriftstellergruppe, zu der Hans Werner Richter von 1947 bis 1967 in regelmäßigen Abständen einlud. In der Gruppe wurden Texte vorgestellt, vorgelesen, Kritik geübt und sich gegenseitig ausgetauscht.
Die Gruppe 47 wollte insbesondere jungen SchriftstellerInnen eine Plattform bieten. Es ging um das Erneuern der deutschen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu den bekanntesten Teilnehmer zählen sicherlich Günther Eich, Heinrich Böll und Günter Grass. Zu den bekanntesten Teilnehmerinnen Ingeborg Bachmann und Ilse Aigner.
Aber die beiden Frauen waren bei weitem nicht die Einzigen. Seifert hat einen Blick auf die Frauen geworfen, die die Gruppe 47 beeinflusst haben bzw. von ihr beeinflusst wurden. In ihrem Buch gibt sie diesen Frauen Raum für ihre Werke und ihr Leben und holt sie aus dem Schatten der Männer.
Patriarchale Strukturen greifen auch in dieser Gruppe und die Texte der Freuen erreichten in den meisten Fällen nicht die Anerkennung wie die der Männer. Stattdessen wurden die Frauen sexualisiert und ihre Texte abgewertet. Seifert macht ebenfalls deutlich, dass die Männer die Texte teilweise gar nicht verstanden und einordnen konnten. Die Gesellschaftskritik in ihnen haben sie nicht gesehen. Die Texte waren ihrer Zeit voraus und wurden einfach verkannt und nicht weiter hinterfragt.
Das bedeutet für uns wahrscheinlich einen großen Verlust. Wie Seifert am Ende ihres Buches sagt "Was sie wohl geschrieben hätten, (...). Was uns entgangen ist." Und zeigt damit auch noch einmal auf, wie wichtig die Stimmen von marginalisierten Gruppen ist.
Ein spannendes Werk über Frauen in der deutschsprachigen Literatur, mit denen wir uns nach ihrem Buch auf jeden Fall noch weiter beschäftigen sollten. Ich habe beim Lesen schon einige Werke rausgeschrieben und bin dankbar für die Recherchen von Nicole Seifert. Große Empfehlung!
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